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Leben und Werdegang des Künstlers

Ein Bericht unter anderen...

 

 

 

 

 

 

Kindheit und Jugend


Peris wurde am 15. Juni 1939 in Athen geboren.
Sein Vater, Miltos Ieremiadis, kleinasiatischer Grieche, war der Sohn eines aus Bursa stammenden Händlers, der ein Geschäft in Istanbul unterhielt. Seine Großmutter mütterlicherseits stammte aus Premeti in Albanien. Miltos arbeitete im Stoffhandel und in der Kleiderbranche. Als junger Mann spielte er in der griechischen Fußballmannschaft von Istanbul, der damaligen Meistermannschaft.
Seine Mutter Helene Alexandrakis, gebürtige Kreterin (Chania), hatte zwei Brüder, die während des Zweiten Weltkriegs in Afrika Handel trieben. Sein Großvater mütterlicherseits war aus Kythera und Händler (er beherrschte acht Sprachen).
Peris wächst während der deutschen Besatzung bis zum Alter von fünf Jahren bei seiner geschiedenen Mutter und seiner kretischen Großmutter auf.
Nach Kriegsende beschließt seine Mutter, die soeben ihre eigene Mutter, welche sie unter extremen materiellen Einschränkungen gepflegt hat, verloren hat, mit Peris ihre Brüder in Afrika aufzusuchen. Dort wird sie später ihren zweiten Mann Dimitris Katris kennenlernen, den Vater von Peris‘ Schwester Effi (sie wurde geboren, als Peris 10 Jahre alt war).
Helene unternimmt mit ihrem Sohn die Durchquerung des afrikanischen Kontinents,  zunächst nilaufwärts mit dem Boot, dann mit allen möglichen Transportmitteln bis nach Kamerun. Diese Reise wird im Gedächtnis von Peris haften bleiben, und viel später, in den 1990er Jahren, wird er zwei Monate lang mit seinem Sohn seinen Traum einer Rückkehr nach Ägypten verwirklichen und dort das Kulturgut entdecken, welches er so häufig in den Büchern besucht hatte und von welchem er auch für seine Arbeit inspiriert wurde (Fayum, Bildhauerkunst, Literatur etc.).
In Kamerun lebt er in einer Großfamilie und spielt mit seinen Cousins und Cousinen, welche später in Frankreich leben werden. Er bewundert seine Onkels, von denen einer ein Pferd besitzt, das vor den staunenden Augen von Peris jeden Morgen für seinen Herren „tanzt“….Doch Peris verträgt das Klima nicht, er wird krank und eine Rückführung nach Griechenland wird notwendig.

 

 

Peris in Afrika, mit 7 Jahren.

 

 

1959, Ausweisfoto.
 
Anschließend wird er in eine Schule von Faliro nahe Athen eingeschult. Er schließt hier feste Freundschaften, die sein ganzes Leben andauern werden: am Tag seiner Beerdigung sind einer seiner Lehrer sowie seine Klassenkameraden anwesend.
Er besucht seine Mutter während der großen Ferien (oft in Frankreich) und seinen Vater an den Wochenenden. Er ist auch viel umgeben von seinen Tanten mütterlicherseits, welche ihn sonntags in Athen bei sich aufnehmen. Im Alter von ca. 15 Jahren wird er sportlich sehr aktiv, erst im Schwimmen, dann im Basketball. Seine Neigung für körperliche Eleganz, im klassischen Tanz wie im sportlichen Wettkampf, wird zweifellos auch durch diese Erfahrungen genährt. Mit seinen Kameraden verbringt er Abende auf den Dächern der Schule und hört die Chansons von Felix Leclerc. Er beendet das Gymnasium und beschließt, nach Paris zu gehen, um die Malerei zu erlernen.


Die Sechziger Jahre

Ausbildung im Ausland

Peris zeichnet schon seit seiner Kindheit. 1958 wird er Student des Fachbereichs Malerei der Ecole des Beaux Arts von Paris. Die von der Schule aus der Zeit von 1959 bis 1966 archivierten Dokumente attestieren sein sehr hohes Niveau in den verschiedenen Disziplinen (22 Vermerke). In Paris feilt er seine französischen Sprachkenntnisse aus, indem er sich in philosophische Literatur vertieft und unermüdlich das Filmarchiv besucht. Die Pariser Museen werden ihm vertraut, und er erwirbt einen ausgesprochenen Sinn für die Kunstgeschichte. Er entdeckt den französischen Chanson, insbesondere Georges Brassens, Jacques Douai und Mouloudji.

Er bewahrt aus dieser Zeit einige Zeichnungen und Bilder auf, meist Stilübungen aus der Schule. Er behält auch zahlreiche kleine Schwarz-Weiß-Fotografien, welche Formstudien in einem sehr modernen Stil darstellen und welche seine persönliche Forschungsarbeit aufzeigen. Um sein Studium zu finanzieren, arbeitet er als Zeichner im Architektur- und Ingenieurbüro von Herrn Breski, eines einst deportierten Polen, der ihn sehr schätzt.

 

Im Architekturbüro von Herrn Bresky, Paris, 60er Jahre.
Er verlässt Paris kurz nach den Ereignissen von 1968. Er wird nicht mehr dorthin zurückkehren. Lange Zeit liebäugelt er mit der Idee einer Rückkehr. Aus der Pariser Epoche bleiben ihm seine französischen und griechischen Freunde, vor allem aber seine französische Familie, mit seiner ersten Frau Eveline Demangeon und seiner Tochter Katina. Ebenfalls in Paris besucht er seine zweite Frau Julie…, Griechin, die ihm, wieder zurück in Griechenland (1975), seinen Sohn Miltos schenken wird.

1969 geht er für sechs Monate in die Cevennen, ein Dorf namens La Payolle, ein Aufenthalt, der ihn prägt und in ihm sehnsüchtige Erinnerungen wachruft. Nach sechs Monaten in Rom lässt er sich für zwei Jahre in Frankfurt in Deutschland nieder. Um leben zu können, arbeitet er zeitweise als Nachtwächter, was ihm ermöglicht, sich unermüdlich in die Lektüre alter Texte und die Entdeckung der deutschen Denker zu vertiefen.



 

Atelier in Paris, 60er Jahre.

Siebziger Jahre

 

Rückkehr nach Griechenland

Seine Rückkehr nach Athen 1972 (Periode der Colonels) markiert den Beginn einer zweiten Epoche in seinem künstlerischen Werdegang, einer Periode des Neubeginns und der persönlichen Suche. Der Grund seiner Rückkehr liegt in der Notwendigkeit, seinem sterbenden Vater beizustehen. Das tägliche Leben zwingt ihn, gleichzeitig sein Leben als Künstler und mit der Familie zu führen. Er muss seinen Weg als Künstler finden, und dies ist nicht einfach. Nach zwei Jahren Militärdienst, im Laufe dessen er es schafft, eine Freske in der Kantine zu verwirklichen, wird er „Angestellter“ des Handelsministeriums, ein Status, den er verabscheut. Aber Peris zeichnet immer noch und immer weiter, sobald er sich aus dem Strudel der sozialen und materiellen Zwänge befreien kann.
 
Er wohnt erst in Koukaki (Botsarisstasse), dann in Faliro und anschließend im Pagrati-Viertel. Diese Periode ist gekennzeichnet durch die Ankunft seines Sohnes Miltos.

 

 
70er Jahre.

 

 

 

70er Jahre.

70er Jahre.

 

Er zeichnet vor allem mit Bleistift und Tinte, sein Zeichenblock und sein Stift verlassen ihn nie. Er skizziert die Blumen, die Büsche und Gräser, die seinen Weg kreuzen, wenn es ihm gelingt, zu entwischen und die Flanken des Ymittos hinaufzusteigen. Peris hat kein Auto, er geht so viel wie möglich zu Fuß in den Straßen und der Umgebung der Stadt. Immer wenn er kann, geht er ins Gebirge oder auf die Insel Euböa (Marmari), zum Tapetenwechsel, um näher an der Natur zu sein und um die Ruhe zu finden, die er braucht.

Seine erste Ausstellung 1978 in der Galerie Nees Morfes (Athen) nennt sich „Zeichnungen“.

 

Die byzantinischen Ikonen

 


Er stürzt sich in eine leidenschaftliche Studie der byzantinischen Ikone, insbesondere ihrer Zusammensetzung. Sein Fleiß, sein hartnäckiges Bestreben, das Geheimnis der Ikone zu lüften, werden sich später auch in seiner Sammlung von Barkeskizzen niederschlagen. Marcel Durand, ehemaliger Direktor des Institut Français von Athen, vergleicht ihn zu der Zeit mit einem Chirurgen mit seinem Skalpell. Aber sein Verhältnis zur Ikone ist völlig spirituell, genährt durch die Lektüre der Kirchenväter und der besten Fachleute in dieser Domäne wie zum Beispiel Paul Evdokimov. In der Tat beginnt sich Peris seit dem Tod seines Vaters mit großer Hingabe zu der kleinen Gemeinde der Gläubigen der Kirche von Plaka auf dem Akropolis-Hügel zu gesellen. Die Wände seines Ateliers bedecken sich zusehends mit Studien von Händen, Köpfen mit Heiligenscheinen und heiligen Bärten, alles Stift- und Kohlezeichnungen. Seit dieser Zeit sind der Heilige Georg und der Drachen in seiner Vorstellung präsent, sie werden für ihn Lieblingsthema bleiben.

 

Der Engel Gabriel (Kohle, Großformat)


 

 
„Eine Katze und ein Kater aus einem Märchen“ (Skizze auf einer Heftseite).
 

Die traditionelle Volkskunst


Er interessiert sich für die traditionelle Volkskunst: die Stoffe, die Teppiche, die von den Häftlingen hergestellten Objekte, die Malereien auf Holz (Kisten, Holztäfelungen), die Aquarelle, welche große Segelschiffe darstellen. Er bewundert die Sammlungen des Benaki-Museums in Athen, wo er sich regelmäßig hinbegibt. Er veröffentlicht die Karten von Ägina (1972, zu Gunsten des Klosters von Sankt Minas, gegründet von zwei seiner Tanten), von Kreta, Rhodos und Salamina. Er beschäftigt sich mit Kalligraphie im Rahmen eines Werbe-Auftrags für die Abteilung Kommunikation des Handelsministeriums. Man findet eine Ähnlichkeit in den Formen seiner Buchstaben mit der gegenwärtigen Kalligraphie in den Bildern der 2000er Jahre.


Die Architekturprojekte, Wiedereinführung der Farbe


Er beginnt auch in Architekturprojekten als Gebäude-Kolorist mitzuarbeiten (mit einer Gruppe von Architekten oder auch für Privatleute). Er spielt eine gewisse Rolle bei der Wiedereinführung der Farbe in jenen Jahren. Zu dieser Zeit herrschte die Diktatur der Farbe Weiß, entsprechend der Werbeklischees zur Siedlungsweise in Griechenland. Durch seine Farbwahl legt Peris darauf Wert, dem Wohnsitz seine grundlegenden symbolischen und traditionellen Dimensionen zurückzugeben. So findet sich die warme ockergelbe Fassade unten unterstrichen durch den roten Ocker, der an die Verankerung des Hauses in der Erde erinnert. Die Oberseite ihrerseits kleidet sich im Ultramarinblau des Himmels. Für Peris stellt das Dach die Flügel des Himmels dar, der gekommen ist, um sich darauf niederzulassen und auszuruhen.

 

 

 Paris, ca. 1969

 

Gemeinschaftsarbeit für zwei Künstler


Parallel mit verschiedenen Projekten und Arbeiten, die sich einander ablösen, widmet sich Peris zwei sehr wichtigen Künstlern:

Zuallererst Giannoulis Chalepas, ein großer griechischer Bildhauer (1854-), welcher zu der Zeit in einer neuen Veröffentlichung präsentiert wird, mit deren Gestaltung Peris betraut ist. Wesentlich später, im Jahr 2004, wird er sich mit der Ausgestaltung einer dem Bildhauer gewidmeten Ausstellung in Tinos beschäftigen (die Ausstellung ist noch heute zu sehen).



  

 

Außerdem dem griechischen Architekten K. Pikionis (1887-1968), dessen Tochter, Agni Pikionis, Peris beauftragt, das Werk in Hinblick auf eine wichtige Ausgabe zu klassifizieren. Peris, der täglich über die von dem Architekt gepflasterten Alleen der Gärten der Akropolis läuft, ist ein Liebhaber der schönen Mauern, das heißt von „echten“ Mauern, errichtet aus fachmännisch geschnittenen und untereinander ausgerichteten Trockensteinen. Zwanzig Jahre später, im Jahr 2001, wird er dank der Unterstützung des Indiktos-Verlages und unter der Leitung von Agni Pikionis das Werk frei konzipieren, von dem er über diesem einzigartigen Architekturprojekt träumte, welches man noch heute bewundern kann.




 
 
Atelier in Koukaki, mit Kerzen erhellt, mit
seinem Schwager Nikos Kalafatis, Athen 2005.
 

1980 lebt er getrennt von seiner zweiten Frau und lässt sich in Koukaki auf dem Hügel von Philopappou nieder, seinem bevorzugten, da ruhigen Viertel; ein „Aristokratenviertel“. Er verlässt sein erstes Atelier, da es nach einem Erdbeben zusammenzubrechen droht, und lässt sich dauerhaft in der Nummer 9 der Mavrovounioti-Straße nieder (Straße der kleinen schwarzen Berge). Auf dem Dach richtet er eine Terrasse in den Farben Ocker und oxydiertes Kupfer ein, beschattet mit Palmenblättern. Darunter wichtige Räume: Das Atelier und sein Schlafzimmer, ein von der Welt isolierter Ort, wo er lebt und arbeitet, nahe seinem Kamin, denn für ihn gibt es keinen Haushalt ohne Feuer.


 

 

Karaghiosis

Bárba-Yórgos, Karaghiosis Theater (24 x 32 cm, 80er Jahre)
 
 
Selbstporträt, 70er Jahre.
 

Das Porträt, ein wiederkehrendes Thema

 

Das Porträt stellt eines der wiederkehrenden Themen seines Werkes dar. Peris studiert und eignet sich alle Arten von Figuren an: die Statue der griechischen Antike, Kopfbildnisse auf Münzen, das Fajum, die byzantinischen Ikonen, die Schattenmarionetten des Karaghiosis oder Fotos aus seiner Bekanntschaft. Er arbeitet mit Bleistift, Kohlestift und Radiergummi. Er nimmt mehr weg als er hinzufügt, und als der Bleistift ins Spiel kommt, gräbt die Geste eher die Gesichtszüge aus als dass sie Konturen zeichnet. Was Peris interessiert, ist die „Tournure“ der Figur, ihre lebendige und persönliche Bewegung. Die Mine erforscht geduldig die charakteristischen Windungen jeder Morphologie, und er geht im Stil des Bildhauers vor, der aus dem Steinblock die Form hervorkommen lässt. Es geht nicht darum, eine Form zu füllen, sondern eine Form zu entdecken, aus der Materie zu extrahieren, als ob sie darin bereits schlummerte. Man findet diesen selben sehr neoplatonischen Ansatz in der ganz einzigartigen Weise wieder, in der Peris Hell und Dunkel miteinander in Beziehung setzt oder in der er die Zeichenmaterialen in seinen späteren Werken behandelt (positiv/negativ, transparent/undurchsichtig).

 

 

Skizze, dem Fajum nachempfunden, 80er Jahre, 20 x 20 cm

Skizze, dem Fajum nachempfunden, 80er Jahre, 20 x 20 cm

 

 

 

 

 

 

 

Die Pigmente und die Oxide, eine entscheidende Forschungsarbeit


Im Laufe der 80er Jahre vertieft er sich auch in die systematische Forschung rund um Pigmente und Oxide, zweifellos geleitet von seiner Arbeit als Gebäudekolorist. Diese Forschung wird sich entscheidend auf sein weiteres künstlerisches Schaffen auswirken. Die Tische seines Ateliers füllen sich mit Bechern voller fachkundig gemischter und sortierter Pigmente, die er fast jeden Tag anfeuchtet. Die Wände bedecken sich mit recht seltsamen Farbpaletten, die sich je nach den Variationen der vielfältigen Formen entfalten: Kreise, konzentrische Kreise, komplexe geometrische Figuren, Streifen, Netze, Rauten, ovale Flecken, Blumen etc. Dieser Forscherarbeit verdankt Peris den Spitznamen „Farbenprinz“ (siehe Artikel). Es existieren mehrere Hundert der Öffentlichkeit unbekannte Papierbögen, die kaum das Licht in der Höhle des Farb-Alchimisten erblickt haben und die das gut gehütete Geheimnis eines Prinzen verbergen, der sich weigerte, sich darüber zu äußern.

 

 

 

 

 

 



80er Jahre

Die Barken, der Übergang in die Farbe

Peris‘ Talent bricht von einem Tag auf den anderen mit einer Serie von Ausstellungen hervor, von denen sich eine „Barken“ (1995) nennt. Peris wird offiziell „farbig“! Der vollständig verinnerlichte Bleistiftstrich und die leuchtende und erfinderische Meisterschaft der Farbe tragen zur Geburt eines durchaus persönlichen und unvergleichlichen Ausdrucks bei. Bis dahin hatte er nur Bleistiftskizzen ausgestellt. Seine Arbeit wird Gegenstand mehrerer Ausstellungen sein, durchschnittlich alle zwei Jahre, darunter jene der „Blumen“, der „Sankt Georg-Darstellungen“ und der „Paare“.

 

 

 Stillleben « Trauben und Fische » (2006).


 

Sankt-Georg (2006).
 

In der poetischen Welt des Malers tanzen die Barken mit den Fischen, den Blumen, den Zitronen und den Trauben. Eine Welt, in der der Künstler seinen Alltag und die Dinge, die ihn umgeben, verklärt: Den eisernen Lattenrost, die Glühbirne, die am Ende seiner geflochtenen Schnur hängt, den Türgriff, den Stuhl, den Garderobenständer, die auf dem Markt gekauften Früchte…Aber eine hierarchisch gegliederte Welt, in der das Unsichtbare und das Sichtbare präsent und unzertrennlich bleiben. Sie sind einerseits in der Komposition der Bilder, andererseits in der Behandlung der Kontraste oder der Farben zu erkennen. Aus dieser fruchtbaren Periode (1980 – 2007) gehen Peris‘ Meisterwerke hervor, die von seiner  absoluten künstlerischen Reife zeugen: die Serie der Sankt-Georg-Darstellungen, die großformatigen imaginären Landschaften, die Stillleben, die Paare. Wie inspiriert durch Petalii und Ägina bringt der Künstler hier Blau, Ocker und Rot zum Schwingen.

Petalii et Ägina

 

Während der 90er Jahre entdeckt er die Insel Petalii im Südwesten der Insel Euböa. Um sich dorthin zu begeben, engagiert er einen Seemann aus Marmari (Euböa), Zouberis, der mit geschlossenen Augen, nur geleitet vom Wind, navigiert…Peris kommt manchmal abends aus Athen an und schläft auf einer Strohmatte, um am Morgen darauf mit seinen Essens- und Wasservorräten aufzubrechen. Er bewohnt eine verlassene Schäferei, rund 45 Gehminuten  entfernt im bergigen Hinterland und von zwei großen Zedern beschattet. Peris begibt sich so oft wie möglich dorthin. Es gibt dort weder Wasser noch Komfort. Die Vorräte halten durchschnittlich fünf Tage und bestehen aus Brot, Käse, Oliven und Dosensardinen. Vor Ort kann man Feigen, Thymian im Überfluss und mitunter frischen Fisch finden, wenn die Fischer ihre Fangnetze in dem Gebiet auslegen. Das Wasser kühlt sich in einem von einer Ägyptenreise mitgebrachten Krug ab, welcher an der Zeder aufgehängt wird. Dieser abgelegene, nur von zwei Schäfern frequentierte Ort wird für Peris ein wertvoller Ort der inneren Sammlung und Inspiration. Er wird ihm den Spitznamen „Wildkatze von Petalii“ einbringen.          


        
 
Peris und Alexis - Siesta auf "dem Bett" (Petali, 1999).
 
Unter den Stammgästen des Cafés von Marmari auf Euböa nennt man ihn „den Verrückten von Petalii“. Ein paar Jahre später konstruiert Peris mit Hilfe seines 10jährigen Enkelsohns Alexis ein „Hochbett“ („To Krevati“) in der Macchia in der Nähe des Basiliko-Strandes. Er zieht es vor, dort zu bleiben am Meer, um zu meditieren und zu malen. Sein Leben wechselt zwischen Athen (Atelier, Kirche, Freunde) und Petalii, wo er die für seine Arbeit unentbehrliche Umgebung findet.

Eines Tages macht ihm ein Unfall beim Verlassen von Zouberis‘ Boot eine solche Angst und verletzt ihn derart, dass er mehr und mehr darauf verzichtet, sich an diesen so geliebten aber so riskanten Ort zu begeben. Er begibt sich seitdem regelmäßig nach Ägina in das Haus seiner Schwester und dann 2006 nach Vlachides, einem einsamen Weiler an der Ostküste, wo er zusammen mit seiner dritten und letzten Lebensgefährtin, Sophia Skouras, ein kleines Haus mietet. Er konstruiert ein Bett auf dem Balkon, und dieses Bett wird gleichzeitig sein Arbeitstisch mit Blick aufs Meer sein. Sein letztes Atelier.



Regelmäßige Zusammenarbeit mit Athener Verlagshäusern und Bühnenmalerei 

 

Mehr als dreißig Jahre lang wird er immer wieder mit bestimmten Verlagshäusern zusammenarbeiten, indem er Illustrationen vorschlägt, sei es ab und zu, wie mit dem Rodakio Verlag, geleitet von Julia Tsakiri, sei es regelmäßig, wie mit dem Verlag Indiktos unter der Leitung von Manolis Velitzanidis. Tatsächlich übernimmt er ab 1998 das Layout und die ikonographische Auswahl der von Indiktos herausgegebenen Zeitschrift Erourem (später Indiktos). Zwei Nummern, die erste und die letzte, sind mit seinen eigenen Werken illustriert: die Barken, dann die Mauern und die Sankt-Georg-Darstellungen, welche damit den Bogen über seinen künstlerischen Werdegang spannen. Mit diesem Haus wird er das Buch realisieren, welches den Arbeiten des Architekten Pikionis an der Athener Akropolis gewidmet ist.

Er realisiert die Bühnenbilder und Kostüme für das Theaterstück „Ein bisschen von allem“ von Antonis Mollas, produziert 2000 im Sfendoni Theater in Athen und inszeniert von Dimos Avdeliodis.


2005 beschäftigt er sich mit der Präsentation der dem Bildhauer Chalépas  gewidmeten ständigen Ausstellung im Museum von Tinos, wo sie bis heute zu besichtigen ist.



 

 

 

Plakat für das Theaterstück "Ein bisschen von allem" von Antonis Mollas (Regisseur: Dimos Avdeliodis), im Sfendoni Theater Athen, 2000.

Letzte Periode

 

 
Sankt Nektarios, geschabtes Pigment, 2005.
 

 

Das illustrierte Leben der Heiligen

 

Die Werke der letzten Periode folgen - auf technischer wie auf symbolischer Ebene – seiner Illustrationsarbeit des Lebens der Heiligen, zu der ihn das Kloster Ormylia für eine 12-bändige Veröffentlichung (Verlag Indiktos, 2006) beauftragt.

Peris ritzt mit dem Stilett direkt in das auf Holz fixierte Pigment das Portrait von rund hundert Heiligen (Männer und Frauen) sowie einige Märtyrerszenen. Er ist auch betraut mit der Ikonografie und den Buchmalereien, die die Kapitel illustrieren. Er gibt sich dieser Aufgabe während vieler Monate mönchhaft hin, und dies bis zu derartiger Erschöpfung (er weiß sich bereits von einer langen Krankheit befallen), dass er gezwungen ist, das Projekt vorzeitig aufzugeben (seine Arbeit ist in den Bänden von September bis Februar zu sehen). Er bedient sich dieser gleichen Technik in seinen letzten Werken.

             



     
 
 
 Mauer von Vlachydès (2007).
 

Der rote Ocker oder das letzte Refugium: Die Erde!

Die bis dahin intensiven Farben, weniger zahlreich als kontrastreich, machen dem einzigartigen roten Ocker Platz, der Farbe des letzten Refugiums: der Erde. Verzicht, extreme Sparsamkeit, um das Wesentliche zu sagen: die Vorbereitung auf die große Reise, dargestellt in diesen „authentischen“ Mauern, die er so sehr liebt, aber deren Türen oft zugemauert und deren Fenster weit offen stehen, jene warnenden Mauern, die den letzten Gegenstand seines Werkes darstellen und deren Inspiration ihm die Kapellen der alten Zitadelle von Ägina und die verfallenen Mauern von Vlachydès geben, wo er die letzten Nachmittage seines Lebens verbringt.

Sankt Georgs Drachen schleicht umher. Er ist da, er dominiert das Dorf. Peris hat ihn gewittert und erwartet ihn weise.

(Katina Ieremiadis, Juli 2009)



Vlachydès (2007).
        
 

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